KUNST UM 1500 UND

NEUE RENAISSANCE - VARIATIONEN VON AUGUST OHM

Zur voraufgegangenen Präsentation der Ausstellung unter gleichem Thema in Hamburg stand im Hamburger Abendblatt ( 30.10.2007):

"In den privaten Räumen des Malers August Ohm entfalten die Bilder eine stärkere Strahlkraft als in jedem großen Museum."

Bei einem Originalgenie handelt es sich weniger um einen Menschen aus Fleisch und Blut als um eine Wunschgestalt. Wo gäbe es einen Künstler, der seine Werke nur aus eigener Kraft hervorbringt? Manche schweigen über ihre Beziehungen zur Tradition, andere machen kein Geheimnis aus ihrer Kontaktaufnahme zu meisterhaften Vorgängern. Der Hamburger Maler August Ohm fühlt sich seit Langem zur Kunst der Renaissance hingezogen, und in seiner diesjährigen (...) Ausstellung arrangiert er eine Begegnung zwischen Werken der Kunst um 1500 und seinen eigenen Renaissance-Variationen.

Es sind erlesene kleine Schätze, die in seinen eigenen Räumen ihre Strahlkraft besser entwickeln können, als es in einem großen Museum mit der Fülle von Exponaten möglich wäre.(...) Eine Ölmalerei auf Holz mit der Heiligen Anna und Katharina ist noch reines Mittelalter. Die jüngeren Arbeiten lassen erahnen, welcher Umschwung sich im Lebensgefühl der Zeit um 1500 vollzog. Ein sitzendes Christuskind, das Zeichnungen von Lorenzo di Credi ähnelt, oder ein in zarten Silberstiftlinien schwebender Engel rücken in ihrer belebten Bewegung der Wirklichkeit schon näher. An diesem Punkt hakt August Ohm ein. "Es gibt Künstler, wie Dürer" sagt er, "die erwecken die Illusion, ein Abbild der Wirklichkeit zu geben. Andere wie Botticelli oder Cranach der Ältere lassen uns nicht in Zweifel, daß auf ihren Bildern nur eine verfremdete, und keine illusionäre Bildwirklichkeit zu sehen ist."

Von dieser Art der künstlerischen Sicht auf die Realität fühlt Ohm sich angesprochen. Wo diese Renaissance-Künstler aufhörten, setzt er an und probiert weitere Möglichkeiten der Realitätsbrechung aus. Ein Porträt der Sybille von Cleve, die mit dem sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich dem Großmütigen vermählt war und von Cranach mehrmals gemalt wurde, ließ Ohm keine Ruhe. Achtmal hat er es variiert. Jedes Mal aus der Nahsicht und überlebensgroß. Jedes Mal in einer anderen Farbhaltung, die Gesichtszüge überzeichnend, scharf, versonnen, erotisch lockend. Es ist realistisch, aber nicht abbildhaft.

In ähnlichen Malstilen, pointillistisch, schlierig, changiert das Gesicht eines jungen Florentiners, den wohl ein Angestellter von Botticelli einst porträtierte, und die Variationen eines Gesichts einer Caritas aus Cranachs höchst produktiver Werkstatt.

ATELIER OHM

im Hofgartenkarree

am Gendarmenmarkt

Berlin

Behrenstrasse 28 (1. OG)

10117 Berlin

Tel. 0172 - 6000 445

Di. - Fr. 16.30 - 18.30 Uhr

04. März bis 28. März 2008

Evelyn Preuß
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