WILHELM OHM & AUGUST OHM BILDER VON VATER UND SOHN

Auf den ersten Blick könnten die Arbeiten von Vater und Sohn unterschiedlicher nicht sein : Wilhelm Ohms Arbeiten sind gekennzeichnet durch ein intuitives malerisches Temperament, während August Ohm planend und mit kalkuliertem Konzept gestaltet. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich aber auch wesentliche Gemeinsamkeiten, etwa in der intensiven Auseinandersetzung mit der erlebten Natur und mit dem Wissen um die vorausgegangenen Entwicklungen der europäischen Kunst und Geschichte. Wilhelm Ohm, Maler, Architekt und Bildhauer, suchte in klassischer Allseitigkeit eine Verbindung der Künste und ließ keine Gelegenheit aus, die verschiedenen bildnerischen Möglichkeiten durchzuspielen. Er hat, trotz einschneidender Unterbrechungen seiner künstlerischen Arbeit durch Nazizeit und Krieg ein umfangreiches Gesamtwerk hinterlassen. Blumen und Landschaften wurden zu wesentlichen Themen seiner Kunst. Zwischen 1946 und 1965 schuf der Künstler zahlreiche öl- und Temperabilder sowie Pastelle, in denen er auch immer wieder Eindrücke von Nord- und Ostsee umgesetzt hat. Das Expressive seiner Bilder wandelt sich im Verlauf der fünfziger Jahre zu einer immer differenzierteren Palette und atmosphärischer Gesamtwirkung. Eine Auflösung von Farbe und Licht mündet, inspiriert durch Hülderlins Hymnen an die Natur, in Spiegelbilder arkadischer Lebensfreude. Zu August Ohms Arbeiten gehören seine Steinbilder und mit pointilistischem Duktus aufgelöste Landschaften, in denen er in einer Durchdringung von Mikrokosmos und Makrokosmos den Strukturen von Wüsten und Graslandschaften nachspürt. Neben dieser Beschäftigung mit der Natur hat der Maler immer wieder die Kunstgeschichte thematisiert, in Architektur-Motiven und in seinen Variationen nach Köpfen der Antike und der Renaissance. Leitlinien in ihrer Beschäftigung mit dem Verhältnis von Natur und Kunst sind für Wilhelm Ohm wie für August Ohm sowohl die Begegnung mit der Wirklichkeit wie die Auseinandersetzung mit Literatur und mit den Traditionen der abendländischen Malerei. Beide Künstler finden ausgehend von sehr ähnlichen Anregungen zu sehr unterschiedlichen bildnerischen Ausdrucksformen von expressiver Kraft, bis zu stiller malerischer Kontemplation.

Birgit Warringsholz
Wilhelm Ohm - Stilleben um 1960
August Ohm - Felder im Sommer 2011