Viva Venezia

Die Ausstellung zeigt ausgewählte Werke der venezianischen Kunst von Vittore Carpaccio bis zu Giambattista Tiepolo, Kleider von Mariano Fotuny und meine neuen Venedigbilder.

Im Mittelpunkt der Präsentation steht ein wiederentdecktes Bild von Giambattista Piazetta (1682 - 1754). Es liest sich wie ein Kunst-Krimi: in der Berliner Gemäldegalerie befindet sich ein dem Rokoko-Maler Benkovich zugeschriebenes Gemälde, das auf ein verschollenes Werk des Piazetta zurückgeht. Wir wissen, daß das Piazetta-Original aus der Sammlung des Konsul Smith an den Englischen König Georg III. gelangte . Dann trennte sich die Krone von dem Bild, vermutlich durch Verkauf. Es erscheint zuletzt in einem Auktionskatalog bei Christie`s im Jahr 1791, bevor sich seine Spur für über zweihundert Jahre im Dunkel verliert. Unlängst tauchte es dann in einer Auktion als "deutsch, 18/19. Jh." wieder auf, und erst nach einer sorgfältigen Reinigung entpuppte es sich als ein Gemälde des Piazetta.

Wenige Orte haben so andauernd die Kunst und die Künstler inspiriert wie Venedig, - der verlöschende Glanz der Königin der Meere, - die Geschichte von Macht und Zerfall, - der Kampf zwischen menschlicher Objektivation und den Elementen der Natur, - das Schauspiel von Wasser und Licht. Die Erinnerung an große Traditionen und ihr Wandel, das unablässige Kommen und Gehen von Fremden und ihren Ideen, vor allem aber das Bewusstsein vom eigenen Untergang geben allem, was das späte Venedig hervorbringt oder anregt, den Anhauch eines erhaschten kostbaren Augenblicks, einer ephemären Spiegelung auf den Kanälen, vorübertanzenden Lichtreflexen.

Als der ökonomische Niedergang Venedigs im 18.Jahrhundert viele einheimische Künstler dazu bewegte, ihr Brot in der Ferne zu suchen, verbreiteten sie als "Reisekünstler" den Ruhm der Serenissima ein letztes Mal glanzvoll in ganz Europa.

Zu den eigenwilligsten Schöpfungen im Venedig des zwanzigsten Jahrhunderts gehören zweifellos die Roben des gebürtigen Spaniers Mariano Fortuny. Sie wurden beschrieben von Marcel Proust und getragen von mutigen Frauen ihrer Zeit, zum Beispiel Eleonora Duse und Isodora Duncan. Fortunys avantgardistische Kleider waren zu keinem Zeitpunkt im engeren Sinne "modern", aber sie wurden dennoch zum prototypischen modischen Ausdruck einer ganzen Epoche. Überdies gehört Mariano Fortuny zu den Designern, die die Kleidung in den Rang von Kunstwerken erhoben.

August Ohm

Viva Venezia