V I V A V E N E Z I A

Ausgewählte Kunst aus drei Jahrhunderten von Vittore Carpaccio bis Giambattista Tiepolo und neue Venedigbilder von August Ohm
EIN WIEDERENTDECKTES BILD VON PIAZETTA

Es liest sich wie ein Kunst-Krimi: in der Berliner Gemäldegalerie befindet sich ein dem Rokoko-Maler Benkovich zugeschriebenes Gemälde, das auf ein verschollenes Werk des Giambattista Piazetta (1682 - 1754) zurückgeht. Die Autorschaft von Piazetta, als dem Schöpfer des Originals, geht hervor aus einem Vermerk auf einer Zeichnung von Fragonard, die die gleiche Komposition zeigt. Dort heißt es : "Piazetta / Cab.de Smitz / Venise", also gezeichnet nach einem Werk von Piazetta in der Sammlung des britischen Konsuls Joseph Smith. Wir wissen, daß das Piazetta-Original von Smith an den Englischen König Georg III gelangte und in den königlichen Sammlungen registriert war.

Dann trennte sich die Krone von dem Bild, vermutlich durch Verkauf. Es erscheint zuletzt in einem Auktionskatalog bei Christie`s im Jahr 1791, bevor sich seine Spur für über zweihundert Jahre im Dunkel verliert. Im Jahr 2004 tauchte es dann in einer Auktion als "deutsch, 18/19. Jh." wieder auf, und erst nach einer sorgfältigen Reinigung entpuppte es sich als ein Gemälde des Piazetta.

Unsere Darstellung zeigt die Jungfrau Maria mit Kind, und den Heiligen Joseph, Antonius von Padua und Aloysius Gonzaga. Es handelt sich bei dieser "sacra conversazione" um eine sehr freie Umsetzung von einer der beliebtesten Kompositionen der venezianischen Malerei, nämlich der "Pesaro-Madonna" von Tizian in der Frari-Kirche. Kaum ein anderes Bild hat vom sechszehnten bis weit ins achtzehnte Jahrhundert so viele Maler in Venedig inspiriert wie diese Altartafel. George Knox hat für unser Bild die Autorschaft Piazettas bestätigt.

Die Ausstellung zeigt neben dem wiederentdeckten Gemälde von Piazetta ausgewählte Werke Venezianischer Kunst aus drei Jahrhunderten, zum Beispiel Arbeiten von Vittore Carpaccio, Niccoló Roccatagliata, Francesco Bassano, Giambattista Tiepolo sowie einige neue Venedigbilder von August Ohm.

Birgit Ohlen