ORTE DER KRAFT

August Ohm Bilder aus der Toskana, aus Berlin und von der Nordseeinsel Sylt

Jeder kann heute sein eigener Bildschöpfer sein, jeder kann seine Kamera nach Bali oder Rio tragen, nach New York oder zu den Malediven. Und jeder kann mit etwas gutem Willen seine Schnappschüsse digital „künstlerisch“ aufbereiten. Zur Menge der von Touristen überall und zu jeder Zeit beliebig dokumentierten Wirklichkeit kommt die Überflutung von Bildern in den Medien.
Ganz sicher ist dies ein Grund für die generelle Entwertung des in der Landschaft oder in der Stadtlandschaft in situ gemalten Bildes. August Ohm hat sich allerdings ganz bewusst für die unmittelbare Inspiration „vor dem Motiv“ entschieden. Für ihn gibt es „Power-Places“, seine Orte der Kraft, von denen für ihn immer wieder geistige und gestalterische Anregungen ausgehen : die Nordseeinsel Sylt ist so ein Ort. Ohm gelingt ein anderer Blick auf die sogenannte „Promi-Insel“. Für ihn hat die nur durch den Horizont begrenzte Weite eine geradezu kosmische Wirkung, ganz und gar jenseits topographischer Realität.
Im Kontrast zu seiner Arbeit auf Sylt regt den in Berlin geborenen Künstler in seiner Stadt die Dichte historischer Assoziationen und die Schönheit bedeutender Architekturen zu einer ganz neuen Sicht auf altbekannte berliner Motive an, – etwa das Charlottenburger Schloss oder der Gendarmenmarkt.
Der dritte Ort der Kraft ist für August Ohm die Toskana, die europäische Kulturlandschaft schlechthin. In der Gegend um Florenz findet der Maler die ausbalancierte Symbiose von Natur und einer über die Jahrtausende von Menschen gestalteten Umwelt. Die Lebendigkeit der Region findet ihren Niederschlag in Ohms Taubenbildern. In einem weiten, offenen Bildraum flattern die Vögel als eine unmittelbare Erinnerung an toskanische Marktplätze und gleichzeitig als bildhafte Gleichnisse für die Spiritualität der großartigen Städte Florenz, Lucca und Siena

Birgit Warringholz