MEINE 50er JAHRE

Nach unserer Ausstellung „meine 20er Jahre“, die unter anderem in der Weltkulturerbestätte- Meisterhäuser Klee-Kandinsky in Dessau gezeigt wurde, stellt die aktuelle Schau wiederum einen Ausschnitt aus dem Bestand unserer Stiftung vor.
Wir zeigen in ausgewählten Beispielen Bilder, Zeichnungen, Design und Mode der Zeit zwischen 1945 und 1965. Der Titel „meine 50er Jahre“ wurde als eine Epochen-Bezeichnung bewusst zeitlich weit gefasst, nämlich vom Kriegsende bis zum Vorabend der sozialen und politischen Veränderungen der 1960er Jahre.

Zu den ausgestellten Arbeiten gehören die frühen „Wilden Bilder“ von Wilhelm Ohm, in denen der Maler und Zeichner die Situation eines traumatisierten Europas künstlerisch verarbeitet. Diese Bilder setzen die Kunst des deutschen Expressionismus fort. Dagegen stehen für den Einfluss der École de Paris die ungegenständlichen Arbeiten von K.R.H. Sonderborg. Unsere Zusammenstellung zeigt weiterhin die kraftvoll vereinfachten Plastiken von Karl Heinz Engelin und Gisela Hommes, sowie Entwürfe des Bühnenbildners und Oscar-Preisträgers Hein Heckroth . Als „Reliquie“ der großen Hollywood-Ära zeigen wir unsere Jaques-Fath-Jacke von Marlene Dietrich.

Studio-Arbeiten von Fulvio Bianconi, Erwin Eisch, Klaus Moje und Monika Maetzel vertreten das innovative Design der Epoche. Mit neuen Ideen setzte die Firma Knoll-International ihren europaweiten Erfolg fort. Gemeinsam ist den genannten Beispielen ein Streben nach konsequenter formaler Einfachheit und handwerklicher Raffinesse.

Zur politischen Wirklichkeit der Zeit gehörte der Kalte Krieg, wie auch der enorme wirtschaftliche Aufschwung in den Industrienationen. Mit dem Wirtschaftswunder sollte nun auch für den Kleinbürger das gute Leben beginnen. Im Kontrast zur Alltagswirklichkeit der Mehrheitsgesellschaft, feierte die französische Haute Couture eine letzte elitäre Blüte. Eine Reihe von Meisterwerken der Mode belegt diese Glanzzeit der Pariser Modehäuser. Nie zuvor war die Alltagskleidung der Frau so verschieden von den romantischen Abendroben wie um 1950/60. In diesem Gegensatz, die berufstätige Frau einerseits und andererseits ein puppenhaftes „Weibchen“ als Statussymbol des Mannes, spiegelt sich das extrem unsichere Rollenbild der Frau dieser Jahre.
Modelle für sehr betuchte Privatkundinnen bestimmten den Stil der großen Pariser Couture-Salons, bevor sich nach den fünfziger Jahren schließlich auch die exklusivsten Häuser als Design-Werkstätten verstanden. Die Haute Couture folgte zunehmend den Anforderungen der Textilindustrie und den Ansprüchen der Massengesellschaft.

Bereits in der Mitte der fünfziger Jahre erlebte der Einfluss der Jugendkultur auf die Mode einen ersten Höhepunkt. Pferdeschwanz und Slipper-Schuhe, Petticoats und Jeans wurden zu den sichtbaren Markenzeichen einer sich nonkonformistisch gebenden Generation. Die tatsächliche gesellschaftliche Erneuerung der sechziger Jahre stand noch aus.

August Ohm