LILLIPUT - DIE WELT IM KLEINEN

EINE AUSSTELLUNG FÜR GROSSE UND KLEINE KINDER

Kunstkammer- und Puppenobjekte, Modelle, Miniaturen, Bilder im kleinen Format

Die Miniaturisierung in der modernen Technik schreitet voran und stößt, wie manche Physiker glauben, demnächst an ihre Grenzen ( es geht hier um Bruchteile von Tausendstel von Millimetern). Der Trend hat uns die globalisierte Computerwelt beschert. Am Anfang stand die Erfindung von kleinsten Kompassen, Uhrwerken und immer schärferen Mikroskopen. Lange vor unserer Zeit der Mikro- und Nanotechniken herrschte ein spielerischer Umgang mit der Miniaturisierung.

Als Isaac Newton die Gravitationsgesetze auf die Bewegungen unseres Planetensystems an-gewandt und die Massen des Mondes und der Planeten vermessen hatte, wurde dem gebilde-ten Zeitgenossen klar wie relativ unsere irdischen Begriffe von Nähe und Ferne, von Größe und Kleinheit sind. Der Philosoph Berkeley stellte 1709 fest, "daß alles nur vergleichsweise groß oder klein ist".

Mit seinem Roman "Gullivers Reisen" (1726 übrigens keineswegs als Kinderbuch erschienen) brachte Jonathan Swift die Welterfahrung seines Zeitalters satirisch-literarisch auf den Punkt. Sein Protagonist Gulliver erlebt die politischen, sozialen und ökonomischen Verhält-nisse der Epoche, zum Beispiel im Reich "Brobdingnag" wie in dem Reich "Lilliput" aus der physischen und mentalen Distanz eines Zwergs bzw. eines Riesen. Mit dem Reich "Lilliput" führt er uns die Welt parodistisch "in noce" vor Augen. Der kleine Maßstab lässt uns groß und überlegen erscheinen. Nicht von ungefähr lernen Kinder in der Miniaturwirklichkeit des Spielzeugs ihre Umwelt zu "begreifen" und zu "beherrschen". Verkleinerte Gegenstände sind für das Kind Werkzeuge der Sozialisation. In der modernen Puppenwelt ist das Kind "der Chef".

Kunstkammern der frühen Neuzeit bedeuteten für ihre Besitzer (Fürsten und Patrizier) ein überschaubares, subjektiv zu ordnendes Archiv der Realität. Viele Kunstkammerobjekte stellen durch ihren exemplarischen Charakter und ihr Miniaturformat einen Mikrokosmos von Natur und Kunst dar, so wie die für Erwachsenen gedachten frühen Puppenhäuser als Modelle der Alltagswelt gelten können.

Unsere aktuelle Ausstellung umfasst unter anderem Kunstkammerobjekte des 16. bis 18.Jh.s Modelle, Puppenhäuser von 1750 bis 1920. Als früheste Kleinbronze der Schau sei ein Goldschmiedemodell aus dem Jamnitzer-Kreis (um 1600) erwähnt. Ein winziger Nürnberger Jungfernbecher (Silber-vergoldet um1600) entstand über hundert Jahre vor der Blütezeit des berühmten holländischen Puppensilbers (siehe Beispiele des 17 bis 18. Jh.s, u.a.. von dem Amsterdamer Silberschmied Arnoldus v.d.Geffen). Eine Miniaturbibliothek umfasst Bücher des Barock bis zum "kleinsten Buch der Welt" aus unseren Tagen. Außerdem zeigen wir Miniaturen, Bilder und Zeichnungen im kleinen Format mit Beispielen vom 16.Jh. bis heute , u.a. von Cranach, Watteau, Pissarro, Kirchner. Solche Arbeiten entstanden z.B. als Vorstudien und Modelle für größere Formate oder als leicht transportierbare Reisebilder. Gelegentlich handelt es sich auch um intime Werke, die ein Künstler für sich selbst oder einen familiären Kreis von Kennern geschaffen hat.

LILLIPUT - DIE WELT IM KLEINEN