DAS ATELIER OHM BEGEHT SEIN 40JÄHRIGES BESTEHEN MIT DER AUSSTELLUNG " LADIES IN RED "

Bilder und ausgewählte Roben aus 4 Jahrhunderten

Als im Jahr 1986 Chris de Burgh seine "Lady in Red" herausbrachte, schickten die Designer in Mailand und Paris dutzendweise rote Roben auf den Laufsteg. Rot lag in der Luft, die Farbe, mit der wir Assoziationen verbinden von Leben, Liebe, Sex, Leidenschaft, Angriff, Feuer, Blut und Revolution. Eine Cranach-Madonna begegnet in unserer Ausstellung als älteste Lady in Red. Es folgen Bildnisse von der Renaissance bis heute, u.a. von Lavinia Fontana und Agnolo Bronzino bis zu Ivo Hauptmann und zwei meiner eigenen Porträts. Mit einer Reihe roter Roben und gemalter Damen in Rot begeben wir uns auf eine Zeitreise: Rot war in manchen Epochen ein Standesprivileg, in anderen wieder eine Farbe der Lakaien. In jedem Fall konnte sich eine Lady in Red immer ihres großen Auftritts sicher sein. Dabei hat die Mode sehr unterschiedliche Varianten dieser Farbe bevorzugt. Zur Zeit Ludwigs XIV. war es ein tiefes Braunrot, wie wir es in einem Porträt von Pierre Mignard zeigen, während das Rokoko neben dem Zinnoberrot der Jagdkostüme ein morbide-gebrochenes Purpur liebte. Hierfür steht ein Kleid von etwa 1760. Dagegen schätzte man zur Zeit der Französischen Revolution intensives Kirschrot. Eine passende Halsschleife signalisierte zynisch, dass nahe Verwandte die Bekanntschaft mit der Guillotine gemacht hatten. Ab 1815 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wählten die Damen rosarote Pastelltöne und tiefes Rosenrot. Leuchtendes Zinnober wurde vor allem bei den Accessoirs gewagt, den Kaschmirschals und deren europäische Varianten aus Paisley und Paris. Mit dem Genre Canaille kam in den 1860er Jahren der Einfluss der Halbwelt in die Mode. Knallig-rote Roben der Kurtisanen wurden gesellschaftsfähig. Der Einsatz der gerade erfundenen Anilinfarben machte jede gewünschte Schattierung der Textilien möglich. Im fortschreitenden Historismus bevorzugten feine Damen ein gedecktes Rot, ein patiniert wirkendes Rost und wie Kupfer glänzendes Rot-Orange. Knallrot trugen nur die ganz Extrovertierten, - wir zeigen eine sensationelle Robe in "electric crimson" von 1895. In den 1920er Jahren waren fleischfarbene Kleider en Vogue, sowie Lachs und Koralle. Dabei sollte man daran erinnern, dass bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts jegliche leuchtende Farbigkeit aus der vornehmen Alltagskleidung verschwunden war. Intensive Farben wurden eine fast ausschließliche Domäne der Gesellschaftsroben. Als in den 1930er Jahren Elsa Schaparelli ihr "Shocking Pink" propagierte, da betonte bereits der Begriff, dass dieser Ton eher für besonders verwegene Frauen gedacht war. Tatsächlich galten bis in die beginnenden 1960er Jahre laute Rot-Schattierungen als nicht sehr fein, blaustichiges Rot fand man außerhalb des show-biz "ganz unmöglich". Erst mit dem Farbenrausch der Flower-Power-Bewegung und ihrem Einfluss auf die Mode wurden intensives Magenta, Bengalrosa, Pink usw. zu ausgesprochenen Lieblingsfarben. In den 1980ern erlebte die Signalfarbe Rot geradezu eine modische Explosion. Powerfrauen trugen das Selbstbewusstsein der Emanzipation in kurzen roten Kleidern mit breiten, gepolsterten Schultern zur Schau. Die Verleihung des Mode-Oscars in der Pariser Oper im Jahr 1984 wurde von einer auftrumpfenden Inszenierung roter Roben begleitet. Seit 2003 wird in den U.S.A zugunsten der Bekämpfung von Herzkrankheiten der nationale "Wear Red Day" als glamouröser Fundraising-Event begangen. Längst hatte der Designer Valentino die Farbe Rot zu seiner Obsession und zu seinem Markenzeichen gemacht. Als er sich 2007 mit einer großen Ausstellung im antiken Friedenstempel in Rom von der Modebühne verabschiedete, da erschienen seine Modelle auf der Treppe der Glasarchitektur schon von Weitem wie eine rauschhafte Kaskade in Rot. Auch in Krisenzeiten und bis heute bleibt Rot die leuchtende Farbe mutiger Frauen.

August Ohm