Bilder von Lucas Cranach und August Ohm - Cranach- Variationen

Immer wieder haben sich Künstler von Cranach inspirieren lassen. Was nun ist innovativ an August Ohms Cranach-Variationen? Zum ersten Mal sind Originale des Meisters aus Kronach nicht nur Ausgangspunkt für neue Interpretationen, sondern ein immanenter Bestandteil der Bildpräsentation eines Gegenwartskünstlers. In Ohms Ausstellung gewinnen die Bilder ihre Spannung aus der direkten Gegenüberstellung von Inspirationsquelle und deren Umsetzung.

Auch eine noch so starke Beziehung zu Bildern ist immer eine einseitige Beziehung. Auf unsere Fragen "antworten" Bilder nur in einem metaphorischen Sinn. August Ohm stellt eine Kommunikation mit Lukas Cranach her, indem er sich seine Fragen an den alten Meister in Form eigener Cranach-Variationen selbst beantwortet. Ohm analysiert in seinen Bildern Cranachs gestalterische Mittel.

Während andere große Künstler der Cranach-Generation, etwa Dürer oder Raffael, die Illusion einer inszenierten Wirklichkeit vermitteln, lässt Cranach nie einen Zweifel daran, daß wir es bei seinen Gemälden mit einer Bild-Realität zu tun haben. Ganz bewusst bricht er das Abbild durch Disproportionierung und Schematisierung von Motiven. Cranach arbeitet mit Motiv-Ableitungen und pflegt eine lebendige Variationspraxis, in der einmal gefundene Muster immer wieder angewandt werden. Ohm hat dieses Prinzip schon in seinen ersten Cranach-Adaptionen umgesetzt, allerdings treibt er das Konzept der Reihung von Motiv-Versatzstücken in seinen neuen Arbeiten auf die Spitze. In seiner Folge von Ölbildern nach einem Porträt der Sybille von Cleve erscheint das Versatzstück-artige, die ironische Brechung der Wirklichkeit und eine Betonung der "Künstlichkeit der Kunst" wie eine Steigerung von Cranachs bildnerischer Strategie.

Anders als zum Beispiel Warhols Serien wollen Ohms Variationen nicht die Reproduzierbarkeit der Bilder thematisieren, sondern die malerischen Möglichkeiten der Kunst selbst. Ohm vertraut auf die vielgeschmähte "Schönheit" des Bildes. Zugleich regen seine Arbeiten zum Denken an, zum Nachdenken über die Kunst. August Ohms gelegentlich augenzwinkernde Cranach-Variationen erscheinen wie ein fernes, strahlendes Wetterleuchten der abendländischen Malerei.

Birgit Ohlen

Cranach 2006