Bilder aus Afgahnistan

AUGUST OHM - WÜSTENBILDER AUS AFGHANISTAN UND GANDHARA – KLEINPLASTIKEN

Ein Jahr vor Einmarsch der Sowjets hat August Ohm Afghanistan besucht. Nicht aus Abenteuerlust, sondern um Beispiele der Gandhara-Kunst zu sehen. In dieser Kunst verbanden sich zu Beginn unserer Zeitrechnung hellenistischer Schönheitssinn und indische Geistigkeit. An die Stelle buddhistischer Zeichen und Symbole trat, unter dem Einfluss westlicher Ästhetik, ein menschliches und geradezu apollinisches Abbild Buddhas. Vor Ort musste August Ohm feststellen, daß man Gandhara-Kunst sehr viel komplexer ( und bequemer ) in den großen Museen des Westens studieren kann.

Die eigentliche Überraschung Afghanistans war für den Künstler das überwältigende Erlebnis der Landschaft am Hindukusch. Er beschrieb seine Eindrücke :“ Steinwüsten, die sich vom Standort des Betrachters bis zum Horizont erstrecken, in den unglaublichsten Formationen : manchmal sehen sie aus wie staubbedeckte Kristalle, dann wiederum erscheinen mir die Strukturen wie die Reste untergegangener Städte und ein anderes Mal wie die Gelege von urweltlichen Tieren.“ In den großformatigen Temperabildern, die nach Rückkehr von der Reise entstanden, wird die Atmosphäre der alten Kultur und Landschaft fesselnd veranschaulicht. An die Stelle abendländischer Spätzeit und Décadence, der Inspiration früherer Arbeiten, tritt nun das Thema der zerfallenden Landschaft, von abbröckelndem Gestein, von Wasser zerfressenden Kliffs und unendlichen Steinwüsten, deren absolute Stille und Leere mit einer an Dürer erinnernden Akribie geschildert wird. Daneben präsentiert die Ausstellung einige Buddha-Bildnisse des Künstlers. Die verklungene Kultur von Gandhara, deren Ausdruck sich zwischen indischer Spiritualität und mediterranem Formgefühl bewegt, hat in August Ohms kongenialem Schaffen ihre visuell wahrnehmbaren Spuren hinterlassen.

Hanns Theodor Flemming