AUGUST OHM : BILDER, DIE IM MUSEUM ENTSTANDEN

Die Ausstellung zeigt eine Reihe von Bildern, die in Gemäldesammlungen, Antiken-Museen und Skulpturensammlungen entstanden.

Wie in keiner anderen Kulturepoche öffnet dem Kunstbetrachter und besonders dem bildenden Künstler der Gegenwart ein „Imaginäres Museum“ (André Malraux) seine Pforten, das ihm vermittels perfekter Reproduktionstechniken und eindringlicher Kommunikationsmöglichkeiten durch die verschiedenen publizistischen Medien die Kunst aller Völker und Zeiten jederzeit abrufbar zugänglich macht. „Das Museum zwingt uns heute zu einer Auseinandersetzung mit allen Ausdrucksmöglichkeiten der Welt“, schrieb Malraux bereits 1947 in seinem Buch „Le Musée Imaginaire“, und er betonte in seinen diversen Essays zur „Psychologie der Kunst“, in welchem Grade die Möglichkeit des Vergleichs und der Konfrontation zu einem Wesensmerkmal unserer intellektuell geprägten Moderne gehört. Vergleiche und Konfrontationen vermitteln dabei wichtige Aufschlüsse und Einsichten. Kunst entsteht niemals ex nihilo. Sie ist immer Ausdruck ihrer Entstehungszeit und zugleich das geistig-formale Ergebnis vorangegangener Entwicklungen. Die Idee eines voraussetzungslosen Schaffens zählt zu den fundamentalen Irrtümern jedes revolutionären Avantgardismus, und selbst eine seit dem Dadaismus immer wieder propagierte „Anti-Kunst“ manifestiert sich als eine Antwort auf die jeweilige Gegenwart und das bereits Vorgefundene.

Für August Ohm wurde diese Erkenntnis zu einem zentralen Impuls seiner Arbeit, die Kunstgeschichte selbst wird für ihn zum eigenständigen Bildthema. Der Versuch heute von den Medien besonders geförderter und herausgestellter Bestrebungen der Gegenwartskunst, einen totalen Ausstieg aus den Traditionen der abendländischen Kunstgeschichte zu vollziehen, bedeutete für Ohm eine Herausforderung, sich gerade mit diesen Traditionen bildnerisch auseinander zu setzen. Dabei geht es ihm nicht um Variationen alter Meister, wie sie von Picasso und Dali bis zu Janssen und Wunderlich von zahlreichen Künstlern oft geistreich und bravourös gestaltet wurden. Vielmehr stellt er sich der von Malraux als zwingend angesehenen „Auseinandersetzung mit allen Ausdrucksmöglichkeiten dieser Welt“, die der Franzose zum Angelpunkt seines „Imaginären Museums“ machte, und zugleich der bisher kaum beantworteten Frage, inwieweit nicht auch vermeintlich avantgardistische Tendenzen der Gegenwartskunst in abendländischen Traditionen wurzeln. „In diesem Sinne sind auch meine Stil-Collagen zu verstehen“, erklärt Ohm, „als eine bildliche Antwort auf eine in früheren Zeiten nie dagewesene Konfrontation mit der Vielzahl unserer kulturellen Erinnerungen“.

Hanns Theodor Flemming


Siehe auch: August Ohm, Imaginäres Museum, Poetische Bilderbücher, Wahlsburg 1988.