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Leon Battista Alberti stellt um 1430 in seiner Schrift “de Statua“ den Ursprung der plastischen Kunst folgendermaßen dar : „ ... man nahm wohl zufällig einst an einen Baumstumpf oder an einem Erdklumpen oder sonst an irgendwelchen leblosen Körpern gewisse Umrisse wahr, die – schon bei ganz geringer Veränderung – etwas andeuteten, was einer tatsächlichen Erscheinung der Natur überaus ähnlich sah. Dies nun bemerkte man und hielt es fest. ... Manche fügten hinzu und nahmen ebenso auch weg, ... Andere verminderten lediglich: genau wie diejenigen, die eine gesuchte Menschengestalt, als sei sie in einem Marmorblock eingelassen und in ihm verborgen, ans Licht befördern, indem sie gleichsam das Überflüssige wegschlagen.“ Diese letztere Anschauung von der Skulptur berührt sich mit der von Michelangelo vertretenen neuplatonischen Idee von einer Freisetzung des Geistes aus dem Kerker einer naturhaften Materie.

Seit der Renaissance bis in das 18. Jahrhundert wurde unter Künstlern und Kritikern im Rahmen eines Paragone (=Vergleich) gestritten um die Vorherrschaft innerhalb einer Hierarchie der Künste. Während die Malerei und Poesie komplexe Geschichten erzählen könnten, so meinten Einige, sei die Skulptur an die bloße Materie gebunden. Dagegen hoben die Verteidiger der Skulptur ihre Vielansichtigkeit hervor und die Behauptung, dass die „Denkmäler“, welche die Bildhauer schaffen, wirkungsvoller, wirklicher und dauerhafter seien als alles, was von Malern geschaffen werden kann. Wohl nie ist die Bedeutung der Skulptur so überhöht beschrieben worden wie von Hegel. Zu Hegels hymnischem Lob der Bildhauerkunst gibt Francis Haskell einen erstaunten Kommentar: „ Dass wir Perikles und Platon, Sophokles und Thukydides nicht ohne „Einsicht in die Ideale der Skulptur“ verstehen könnten, hätte kein Historiker oder Philosoph und nicht einmal ein Künstler oder Altertumsforscher in missionarischstem Eifer zu behaupten gewagt “ .

Unsere Ausstellung zeigt räumlich-plastische Gestaltungen aus unterschiedlichen Epochen, Kulturen und Materialien, von einem griechisch-römischen Marmorkopf über ein Gandhara-Relief aus Schiefer, früh-neuzeitliche Bronzen, überlebensgroße barocke Sandsteinplastiken bis zu Edelstahlarbeiten der Moderne und konzeptuellem textilen Arbeiten der Gegenwart.

Das eingesetzte Material reicht vom geschnitzten und farbig gefassten Holz einer spätmittelalterlichen Engelsfigur bis zum Papier-Maché-Abdruck bei Anne und Patrick Poirier. Auch der bildnerische Anlass umfasst ein weites Spektrum von der kultischen Anwendung etwa bei einem Kruzifix, über den praktischen Gebrauch, zum Beispiel bei Fliesen-Reliefs, oder die „prima idea“ bei der Gestaltfindung des Bildhauers bis zum Objekt für den ästhetischen Genuss, als Sammlerstück, wie dies bei unseren Kleinbronzen von Giambologna der Fall ist. Schließlich haben wir auch heutiges konzeptuelles Modedesign in unsere Ausstellung einbezogen, - Modelle von Yohji Yamamoto und Martin Margiela, in denen sich die textile Gestaltung auf dem Niveau eines hohen künstlerischen Anspruchs bewegt.

Allen Werken gemeinsam ist ihre haptische Qualität, ihre suggestive räumliche Wirkung und ihre fantasievolle Auseinandersetzung mit dem jeweiligen inhaltlichen und ästhetischen Konzept.

August Ohm

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